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Leider nicht geil – anders wäre besser!

Einen Claim zu erfinden ist nicht leicht, da kann man schon mal auf die Idee kommen, diesen zu finden statt zu erfinden. So geschehen beim Fernsehsender Tele 5, die sich den Songtitel „Leider geil“ von Deichkind ausgeborgt haben. Nur leider macht das hier wenig Sinn: im Lied geht es darum, dass Sachen geil sind, die es nicht unbedingt sein sollten. Warum aber sollte der eigene Sender nicht geil sein? So wenig Selbstvertrauen?

Scheinbar schon, denn man vertraut nicht diesem einen Claim, sondern setzt noch ein „anders ist besser“ dahinter. Es gibt nicht viele Unternehmen, die sich den Luxus von 2 Claims leisten – wobei Luxus natürlich ein falsches Wort ist bei 50% Diebstahl geistigen Eigentums. 

Absurd wird es jedenfalls dann, wenn man aus dem aus einem Song geklauten Text einen neuen Song bastelt. Da fragt man sich, ob denn Deichkind für die Ausstrahlung des neuen Songs Tantiemen bekommen…

Gaga Werbung

Ist es ein neuer Trend, oder beweist es, dass Praktikanten in den Agenturen inzwischen mehr zugemutet wird, als sie leisten können? Werbung wird mehr und mehr zu einer Ausgeburt unerträglicher Dummheit und Phantasielosigkeit.

Bei Lidl grassieren gerade Sätze wie „Gutes Fleisch erkennt man an gutem Fleisch“ (TV Werbung). Was als nächstes geplant ist? Vielleicht „gute Mitarbeiterüberwachung erkennt man an guter Mitarbeiterüberwachung“ oder dürfen mal die Schülerpraktikanten ran und basteln einen Zungenbrecher wie „gute Güter erkennt man an guten Gütern.“

Wimdu versucht mit seinem Claim „ich wimdu und du“, die Verbalisierung von Google und zuletzt Parship zu imitieren – aber leider auf eine so plumpe und idiotische Art und Weise, dass nicht mal Reisende mit dem IQ einer Wanderheuschrecke dieses Kunstwort verwenden würden. Aber mal im Ernst: Bildet sich wirklich irgendwer ein, man ersetzt den Terminus „Hotel buchen“ demnächst mit „wimdun“ (oder „wimduen“?) – und das zu Zeiten, wo zahlreiche andere und weit bekanntere Portale im gleichen Geschäftsfeld tätig sind???

Tchibo wiederum muss man gratulieren, sind sie doch tatsächlich die Erfinder des wohl einzigen Kaffees, den man sowohl schwarz als auch mit Milch trinken kann. Der Wahnsinn! Andererseits wurde die Kombi mit Zucker nicht erwähnt, tja, schade eigentlich: wenn blöd, dann bitte auch richtig! So kann ich diesen Kaffee leider nicht trinken.

Woran erkennt man eigentlich gute Werbung? Jedenfalls nicht an guter Werbung…

Sky-Partner macht „Service“

Dass Kundenservice nicht nur Bestandskunden bedient, sondern auch potentielle zu bestehenden Kunden machen kann, sollte allgemein bekannt sein. Bekommt man jedoch auf die Frage an Sky-Aboangebot.de, ob man im Starterpaket auch einzelne Fussballspiele gegen Entgelt gucken kann, die folgende Antwort, macht dies sehr deutlich, dass günstiger aber schlechter Kundenservice nicht Geld spart, sondern mehr Geld kostet als der vermeintlich teurere gute Service:

Nach Drohung mit rechtlichen Schritten seitens Senol Karakaya, dem Geschäftsführer der dubiosen sky-aboangebot.de-Website, habe ich den wörtlichen Inhalt der E-Mail nun gelöscht. Übrigens wurde mir auch diese Drohung ohne Signatur geschickt, wäre also ebenfalls abmahnfähig.

Neben den 2 Rechtschreibfehlern („günsitger“, „Angbeot“) fällt besonders die fehlende Anrede („Hallo Stenzel,„) und der sehr unpersönliche Absender (Team) auf. Natürlich, eine ungenaue Preisangabe („gehen Sie von 15-20 Euro aus„) macht die Entscheidung, doch lieber in der Kneipe Fußball zu gucken, ebenfalls leichter. Eine fehlende Signatur kann man noch dazu abmahnen – aber das will ich ja gar nicht. Ich wollte ja nur ein gutes Angebot, um mir ab und an ein Fußballspiel zu Hause statt in der verrauchten Kneipe anschauen zu können. Aber so werde ich sicherlich kein Kunde!

Kaputtes Auto gefällig?

Falls Sie immer schon mal einen Lackschaden im Auto haben wollten oder Ihnen die Stoßstangen zu heile aussehen, hat Groupon nun ein tolles Angebot: Einen „Wertgutschein über 150 € anrechenbar auf alle Lack-, Karosserie- und Unfall-/Versicherungsschäden“

Unfallschäden_Groupon

Na gut, man könnte mir ankreiden, pingelig zu sein. Aber ich fand diesen Gutschein zu komisch, um ihn nicht zu posten. Zumal es so keine besonders gute Werbung für die Werkstatt sein wird.

Was ist das Gegenteil von Namedropping?

Was ist das Gegenteil von Namedropping? fragt Barney in der Serie „How I Met Your Mother“ seine kanadische Freundin, als diese von einem – scheinbar nur in Kanada bekannten – Eishockeyspieler berichtet.

Leider hat niemand die Agentur DDB Tribal diese Frage gestellt, als sie den in Deutschland nur unter Hardcore-Fußballfans bekannten brasilianischen Sportler Neymar im aktuellen Spot zum Bayern Profi Thomas Müller sagen lässt „Unterschreib mal mit „die deutsche Neymar“ – was inzwischen, da absolut unverständlich, scheinbar synkronisiert wurde. Dummerweise hilft das nicht gegen das Hauptproblem: Niemand kennt Neymar.

So wurde ein Spot mit 2 sicherlich nicht gerade billigen Testimonials gedreht, der nun in Dauerschleife im TV gezeigt wird, bei dem aber sicherlich 90% oder mehr nicht wissen, was denn da gesagt wird.

Googlet man „VW Müller Werbung“ findet man neben dem Spot vor allem die Frage, was denn da gesagt wird. Natürlich kann man sagen, dass Werbung, die Aufsehen erregt und für Diskussionen sorgt, seinen Zweck erfüllt, aber so negativ, wie in diversen Foren darüber geschrieben wird, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Spot zum positiven Image Volkswagens beiträgt.

Hier ein paar Vorschläge aus dem Netz, was dort zu hören ist:

  • „ich habe auch immer verstanden Deutsche neger“
  • „mein Mann glaubt der Text ist portugiesisch…“
  • „Ich hab immer verstanden , die deutsche NEMA {…} , aber was hat die National Electrical Manufacturers Association mit Fußball oder VW zu tun…“ (alle 3: Quelle Horizont.net)
  • „Ich verstehe auch nichts. Völlig unverständliches gebrabbel.“ (Quelle: gutefrage.net)
  • „Die sprechen über Winterreifen!“ (Quelle: yahoo.com)
  • „Wir haben die Werbung gerade ebenfalls diskutiert, da niemand den Inhalt verstanden hat.“
  • „Das Genuschel versteht ja kein Mensch“ (Beide: Quelle: Cosmiq.de)

 

Glaser mit Komplettservice

Stellen Sie sich vor, Sie müssen nicht erst dann den Glaser rufen, wenn der Nachbarsjunge den Ball durch das Fenster geschossen hat. In Zeiten, in denen der Junge eh nur noch vor der Playstation hockt, gibt es zum Glück Glaser mit dem Sinn für Full Service:

Glaserei_Winter

Wie hier auf diesem Autoaufkleber unschwer zu erkennen ist, schießt der Glaser auf dem Weg zum Auswechseln des Fensters dieses erst mal kaputt – würde ja auch keinen Sinn machen, ein heiles Fenster zu wechseln. Der Claim dazu könnte nicht besser sein: „Glaserei Winter immer am Ball!“

Wir halten zum Nerd!

Es ist schon eine Kunst, in Film und Fernsehen den Bösewicht als Sympathieträger darzustellen. Nehmen wir die Serie Dexter, in der das Kunststück gelingt, einen Serienmörder nicht als Monster, sondern als derjenige zu zeigen, bei dem der Betrachter mitfühlt. Große Drehbuch- und Schauspielkunst.

Nehmen wir nun eine Szene, in dem ein Kunde in einer Buchhandlung feststellt, dass ihm ein Fachbuch leider nicht hilft und er lieber einen Experten fragen sollte. Jeder, der schon mal ein für ihn fachfremdes Fachbuch in Händen hielt, kann das nachvollziehen – eigentlich also ein leichtes, dies abzufilmen, die Zuschauersympathie zu verteilen und somit Interesse am eigentlichen Produkt zu wecken.

Dann jedoch kamen die Agentur Serviceplan und hat alles vergeigt: Ein sympathisch wirkender Mann kommt in eine Buchhandlung, der Verkäufer, Typ Bücherwurm/Nerd, versucht, ihm das Thema nahezubringen mit dem Hinweis „Wir haben hier wirklich aussagekräftige Finanzliteratur“. Dann jedoch wird der Kunde eklig: Er horcht an einem Buch, klappt es dem Kunden vor der Nase mit den Worten „Sagt mir gar nichts. Oder hören Sie etwas?“

So verwandelt sich Sympathie in einen Beschützerinstinkt für den Nerd, der von dem in die Jahre gekommenen Schulschläger mies behandelt wird. In diesem Fall also eine echte Kunst, einen eigentlich sympathischen Menschen innerhalb weniger Sekunden zum Unsympathen zu machen und damit den Sinn der Werbung, Finanzconsulting zu verkaufen, zunichte zu machen.

Die Werbung von Cortal Consors finden Sie hier.

Katze im Ei

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Restaurant, öffnen Ihr Frühstücksei und etwas Lebendiges kommt heraus – da vergeht einem doch der Appetit.

Stellen Sie sich nun vor, vor Ihnen sitzt ein süßes kleines Kätzchen. Sie stecken hinten in den Hals eine SIM-Karte (sic!) und das arme Vieh  verwandelt sich in ein Robotermonster, springt durch die Scheibe aus dem Fenster und Sie haben nicht gefrühstückt, aber eine unglaublich hohe Rechnung durch den Glasbruch.

Vodaphone-Screenshot
Werbung für die Katz: Vodaphone Screenshot

Nun wandeln wir diese Geschichte mal in eine Werbebotschaft. Man zahlt viel Geld und bekommt nichts als Ärger. Gute Idee, Vodaphone! Die ungekürzte Fassung dieses Werbefilmes („Mehr Power für Dich“) spinnt diese Geschichte noch weiter: So hängt sich die Hauptperson an den Roboter, der daraufhin zu einem Büffel, anschließend einem Hai und dann einem Auto und schließlich zu einem Raketenzug wird. Die Hauptperson wird davon dann abgeworfen, aber anstatt die Schürfwunden und Knochenbrüche, die bei einem solchen Sturz obligatorisch sind, zu begutachten, ist dessen Handysucht so stark, dass er erst mal auf sein Smartphone guckt.

Zu finden ist die Langfassung hier: http://www.youtube.com/watch?v=mGxPUpMx5ZI

Die kurze Version gibt es regelmäßig im Fernsehen.

Die weise Reise

Man kann natürlich behaupten, dass der gereimte Werbespruch, nachdem er jahrelang in der Versenkung verschwunden war, nun zu einem großen Comeback antreten wird und die Texter von reisecom ihrer Zeit weit voraus sind. Guckt man sich den Claim von reisecom jedoch an, kann man dies eigentlich nicht mehr wirklich prophezeien:

Reise.com_Claim

Ähnlich wie es in der Fernsehserie „How I Met Your Mother“ dazu kommt, dass die Freunde raten müssen, ob die unsinnigen Taten im betrunkenen Zustand oder als Kind absolviert wurden, muss man sich hier fragen, ob der Claim von Kindern, Betrunkenen oder Ausländern mit Reimlexikon entwickelt wurde. Andererseits lässt der veraltete Satzbau eher auf einen reaktivierten Werber aus den Sechzigern schließen.

Nun gut, man kann ihnen zu Gute halten, dass auf der Website immerhin (im Gegensatz zur Fernsehwerbung) Kommata eingepflegt sind. Trotzdem kann ich mir keinen Reim darauf machen (!), wie man Unsummen für die Ausstrahlung von Fernsehwerbung ausgeben kann, aber dort Inhalte für ein paar Cent platziert werden.

(Einen der Spots kann man übrigens hier angucken – origineller weise mit vorgeschaltetem Werbespot: http://www.myvideo.de/watch/9349533/reise_com_TV_Spot_2014)

Werbung für nichts

Ein besonderer Coup ist nun C und A gelungen, haben sie doch den Sinn von Werbung einfach ausgehebelt. So platzieren sie bei Facebook (bekanntermaßen nicht gerade die günstigste Werbeplattform) derzeit diese Anzeige:

CundA_FB-werbung

Klickt man dann auf diese Anzeige, gelangt man tatsächlich zu dem Hemd auf dem Bild, doch siehe da, es ist fast ausverkauft:

CundA-WEbangebot_Hemd

Verfolgt man diese Strategie weiter, so wird bestimmt demnächst für demnächst schließende Filialen geworben. Ein geschickter Schachzug, liebe Werbestrategen von C und A…