Archiv für den Monat: Februar 2014

Wir halten zum Nerd!

Es ist schon eine Kunst, in Film und Fernsehen den Bösewicht als Sympathieträger darzustellen. Nehmen wir die Serie Dexter, in der das Kunststück gelingt, einen Serienmörder nicht als Monster, sondern als derjenige zu zeigen, bei dem der Betrachter mitfühlt. Große Drehbuch- und Schauspielkunst.

Nehmen wir nun eine Szene, in dem ein Kunde in einer Buchhandlung feststellt, dass ihm ein Fachbuch leider nicht hilft und er lieber einen Experten fragen sollte. Jeder, der schon mal ein für ihn fachfremdes Fachbuch in Händen hielt, kann das nachvollziehen – eigentlich also ein leichtes, dies abzufilmen, die Zuschauersympathie zu verteilen und somit Interesse am eigentlichen Produkt zu wecken.

Dann jedoch kamen die Agentur Serviceplan und hat alles vergeigt: Ein sympathisch wirkender Mann kommt in eine Buchhandlung, der Verkäufer, Typ Bücherwurm/Nerd, versucht, ihm das Thema nahezubringen mit dem Hinweis „Wir haben hier wirklich aussagekräftige Finanzliteratur“. Dann jedoch wird der Kunde eklig: Er horcht an einem Buch, klappt es dem Kunden vor der Nase mit den Worten „Sagt mir gar nichts. Oder hören Sie etwas?“

So verwandelt sich Sympathie in einen Beschützerinstinkt für den Nerd, der von dem in die Jahre gekommenen Schulschläger mies behandelt wird. In diesem Fall also eine echte Kunst, einen eigentlich sympathischen Menschen innerhalb weniger Sekunden zum Unsympathen zu machen und damit den Sinn der Werbung, Finanzconsulting zu verkaufen, zunichte zu machen.

Die Werbung von Cortal Consors finden Sie hier.

Katze im Ei

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Restaurant, öffnen Ihr Frühstücksei und etwas Lebendiges kommt heraus – da vergeht einem doch der Appetit.

Stellen Sie sich nun vor, vor Ihnen sitzt ein süßes kleines Kätzchen. Sie stecken hinten in den Hals eine SIM-Karte (sic!) und das arme Vieh  verwandelt sich in ein Robotermonster, springt durch die Scheibe aus dem Fenster und Sie haben nicht gefrühstückt, aber eine unglaublich hohe Rechnung durch den Glasbruch.

Vodaphone-Screenshot
Werbung für die Katz: Vodaphone Screenshot

Nun wandeln wir diese Geschichte mal in eine Werbebotschaft. Man zahlt viel Geld und bekommt nichts als Ärger. Gute Idee, Vodaphone! Die ungekürzte Fassung dieses Werbefilmes („Mehr Power für Dich“) spinnt diese Geschichte noch weiter: So hängt sich die Hauptperson an den Roboter, der daraufhin zu einem Büffel, anschließend einem Hai und dann einem Auto und schließlich zu einem Raketenzug wird. Die Hauptperson wird davon dann abgeworfen, aber anstatt die Schürfwunden und Knochenbrüche, die bei einem solchen Sturz obligatorisch sind, zu begutachten, ist dessen Handysucht so stark, dass er erst mal auf sein Smartphone guckt.

Zu finden ist die Langfassung hier: http://www.youtube.com/watch?v=mGxPUpMx5ZI

Die kurze Version gibt es regelmäßig im Fernsehen.

Die weise Reise

Man kann natürlich behaupten, dass der gereimte Werbespruch, nachdem er jahrelang in der Versenkung verschwunden war, nun zu einem großen Comeback antreten wird und die Texter von reisecom ihrer Zeit weit voraus sind. Guckt man sich den Claim von reisecom jedoch an, kann man dies eigentlich nicht mehr wirklich prophezeien:

Reise.com_Claim

Ähnlich wie es in der Fernsehserie „How I Met Your Mother“ dazu kommt, dass die Freunde raten müssen, ob die unsinnigen Taten im betrunkenen Zustand oder als Kind absolviert wurden, muss man sich hier fragen, ob der Claim von Kindern, Betrunkenen oder Ausländern mit Reimlexikon entwickelt wurde. Andererseits lässt der veraltete Satzbau eher auf einen reaktivierten Werber aus den Sechzigern schließen.

Nun gut, man kann ihnen zu Gute halten, dass auf der Website immerhin (im Gegensatz zur Fernsehwerbung) Kommata eingepflegt sind. Trotzdem kann ich mir keinen Reim darauf machen (!), wie man Unsummen für die Ausstrahlung von Fernsehwerbung ausgeben kann, aber dort Inhalte für ein paar Cent platziert werden.

(Einen der Spots kann man übrigens hier angucken – origineller weise mit vorgeschaltetem Werbespot: http://www.myvideo.de/watch/9349533/reise_com_TV_Spot_2014)

Werbung für nichts

Ein besonderer Coup ist nun C und A gelungen, haben sie doch den Sinn von Werbung einfach ausgehebelt. So platzieren sie bei Facebook (bekanntermaßen nicht gerade die günstigste Werbeplattform) derzeit diese Anzeige:

CundA_FB-werbung

Klickt man dann auf diese Anzeige, gelangt man tatsächlich zu dem Hemd auf dem Bild, doch siehe da, es ist fast ausverkauft:

CundA-WEbangebot_Hemd

Verfolgt man diese Strategie weiter, so wird bestimmt demnächst für demnächst schließende Filialen geworben. Ein geschickter Schachzug, liebe Werbestrategen von C und A…